Anlass für den Besuch war der Spendenaufruf anlässlich des Dorffestes in Bartholomä und des eigens dafür gebildete Fonds „Füreinander – Miteinander in
Europa“, der es dem Bartholomäer Partnerschaftsverein ermöglichte einen ansehnlichen Betrag von 2.000 Euro an die Erdbebenopfer zu spenden. Die Verbindung
zu der stark betroffenen Gemeinde Mirabello in der Provinz Ferrara wurde durch die Bartholomäer Partnergemeinde Casola Valsenio hergestellt, die die Patenschaft
für diese Gemeinde übernommen hat und zu dieser Zeit mit Hilftrupps der Feuerwehr und freiwilligen Helfern mehrere Wochen vor Ort im Einsatz war, um die
notwendigen Arbeiten zu verrichten.
Die Gäste von der Ostalb wurden durch die Bürgermeisterin Angela Poltronieri in der Turnhalle empfangen, die seit dem Erdbeben von 21. Mai 2012 als provisorische
Gemeindeverwaltung dient. Der Vorsitzende des Partnerschaftsverein Karl Busch erläuterte, dass die Bartholomäer Bürger von dem Schicksal der Gemeinde betroffen
waren und mit der Spende ein Zeichen der Verbundenheit setzen wollen. Mit dem Besuch wollte der Partnerschafsverein unterstreichen, dass die Gemeinde mit den
Problemen nicht allein gelassen wird.
Die quirlige Bürgermeisterin, die von den Strapazen der letzten Monate gezeichnet ist, zeigte den Besuchern auf, welche Herausforderungen durch das verheerende
Erdbeben in dem beschaulichen Ort entstanden sind. Dabei erläuterte Poltronieri, dass die großen Probleme nicht unbedingt die total zerstörten Gebäude sind,
sondern das weit größere Problem stellen die ca. 400 Häuser in der Region dar, die durch das Absenken der Fundamente einsturzgefährdet sind und nicht mehr bewohnt
bzw. genutzt werden können. So ist aus der Sicht der Gemeindeverwaltung unbedingt Handlungsbedarf notwendig, um den Familien und den Einwohnern Ersatzbauplätze
zur Verfügung zu stellen die erdbebensicher sind.
Nach Erkenntnissen der Geologen vor Ort, die heute noch an vielen Stellen Untersuchungen vornehmen, liegt die Hauptursache der eingestürzten bzw. beschädigten
Bauten darin, dass sich quer durch den Ort im Untergrund eine Sand-Ader mit einer Tiefe von bis zu 30 Metern befindet, die durch die Erschütterungen des Erdbebens
den Einsturz bzw. die Beschädigung der Gebäude vorgenommen hat.
Beim Rundgang durch den Ort konnten sich die Besucher von der Alb einen Eindruck über die Zerrstörungen und Schäden machen. Der Kirchturm steht als einziges noch
von der Kirche. Das Rathaus, das Pfarrhaus, der Kindergarten, die Grundschule und die weiterführenden Schulen sind so stark beschädigt, dass sie unbewohnbar bzw.
nutzbar sind. Die größten Herausforderungen nach dem Erdbeben war nach Bekunden von Frau Poltronieri die Unterbringung von 400 obdachlosen Bürgern. Ein weiteres
Problem war die Angst der Bewohner vor den Nachbeben. So war vier Monate lang ein psychologisches Betreuerteam vor Ort um möglichst bleibende Schäden zu
verhindern. Auch heute stehen noch abseits von den wieder bewohnten Gebäuden, zum Beispiel dem Altenheim, noch Zelte, um evtl. bei einem Nachbeben sofort eine
Unterbringungsmöglichkeit für die Bevölkerung zu haben. Die Schule und die Kindergärten werden derzeit noch in Provisorien untergebracht. Ein neues Kindergarten-
und Schulgebäude wurde in Windeseile als Fertigbau erstellt und dürfte nach Weihnachten bezugsfertig sein. Dabei wurde strikt darauf geachtet, dass der Standort
erdbebensicher ist.
Die Aufräumarbeiten sind bei weitem noch nicht abgeschlossen, weil das vorhandene Material auf Deponien untergebracht werden muss. „Wir wissen nicht
wohin“, war die lapidare Antwort der Bürgermeisterin. Es ist mit Bergen von Schutt zu rechnen, wenn die gefährdeten Häuser alle abgerissen werden müssen.
Dabei soll darauf geachtet werden, dass der Schutt geordnet gelagert wird, so dass auch für das Grundwasser keine Gefährdung ausgeht. Wichtig ist der Gemeinde,
dass verlässliche Aussagen von den Geologen kommen, an welchen Stellen im Ort ein Neubau ohne weitere Gefahr möglich ist. Sie sieht es als besonders wichtig an,
dass möglichst schnell geeignete Flächen zur Verfügung gestellt werden, da sie insbesondere die Gefahr sieht, dass Familien aus der Gegend wegziehen bzw.
Betriebe, die ebenfalls betroffen sind, sich einen anderen sicheren Standort suchen.
Es war für die Besucher beeindruckend, mit welchem Engagement die Bürgermeisterin die Probleme vor Ort meistert bzw. gemeistert hat. Auf die Frage der Besucher,
ob sie sich denn mit ihren Problemen alleingelassen fühlt, stellte die engagierte Bürgermeisterin fest, dass die Regierungen in Bologna bzw. Rom für sie weit weg
sind, auch von der Sache weit weg sind, aber sie in diesen letzten Monaten durch die Menschen in der Region Emilia- Romagna und durch viele Freunde im In- und
Ausland sehr viel Unterstützung erfahren hat, die ihr die Kraft und den Mut gegeben haben, das Projekt mit allem Elan zu Ende zu führen.
Die von Bartholomä zur Verfügung gestellte Spende wurde im Wesentlichen für die Wiedereinrichtung der provisorischen Schulen bzw. den Kindergarten für
Kleinmaterialien wie Bücher, Atlanten und Spielzeug verwendet.
Der Partnerschaftsverein Bartholomä verkauft weiterhin zugunsten des Sozialprojektes „Füreinander - Miteinander in Europa“ Fotokalender 2013 aus dem
Fotowettbewerb der „Mensch im Blickpunkt“ der von deutschen und italienischen Jugendlichen durchgeführt wurde. Bestellungen unter
http://www.meinbildkalender.de/bw_feiert oder Telefonnummer 07173/7609
bzw. unter E-Mail: pvbartholomae@web.de.
Karl Busch
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