Angelika Huber-Sommer liest aus Camilleris Roman
Traditionell lädt der Partnerschaftsverein Bartholomä im Oktober zu einer Lesung italienischer Literatur ein, die in Zusammenarbeit
mit der Dorfbücherei Bartholomä und der Volkshochschule veranstaltet wird. Dieses Jahr las Frau Huber-Sommer aus dem neuen Roman
„streng vertraulich“ des sizilianischen Schriftstellers Andrea Camilleri, der mit jedem seiner Bücher einen Platz auf der
italienischen Bestsellerliste erzielt.
Basierend auf einer wahren Begebenheit lässt Camilleri einen Neffen des äthiopischen Königs Haile Selassie ins faschistische Sizilien
der späten Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts reisen, um dort die Bergbauschule zu besuchen. Der blitzgescheite Blender
bringt nicht nur reihenweise die Frauen und Töchter italienischer Würdenträger in seinen Bann, er prellt schließlich den Staat um
einen Batzen Geld. In streng vertraulichen Gesprächsnotizen, Telegrammen und Protokollen begegnen die bierernsten Mussolini-Anhänger
den Schelmenstreichen des kaiserlichen Sprosses mit einer Ernsthaftigkeit, die den faschistischen Apparat der Lächerlichkeit
preisgibt. An mancher Stelle erklang ein herzhaftes Lachen in den Räumen der Bartholomäer Bücherei, wenn wieder einmal der Negus das
faschistische Italien bis ins Duce-Rom narrte.
Der Vorsitzende des Partnerschaftvereins Karl Busch bedankte sich bei Angelika Huber-Sommer für die Auswahl der Lektüre mit aktuellem
Bezug und für den amüsanten Vortrag. Camilleri betrachtet die Zeit des italienischen Faschismus als eine Zeit halb Farce und halb
Tragödie, die bis heute nachwirkt. Er sagt, da müsse man wachsam bleiben. Lachen hilft wachsam zu bleiben.
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