
Brotkultur Der Arbeitskreis Kunst und Kultur in Bartholomä schmeißt regelmäßig den Holzbackofen im Amalienhof an. Dazu
gibt’s unterschiedliche Veranstaltungen.
von
Marie Enßle
(Schwäbische Post/Gmünder Tagespost)
Bartholomä
Die Tür zur Museumsscheune im Bartholomäer Amalienhof öffnet sich, innen ist alles hell erleuchtet an diesem Abend. Die lange Tafel
ist gedeckt, fleißige Hobbyköchinnen und emsige Brotbäcker unterhalten sich und werkeln allerhand in der Küche. Es riecht nach
nichts. Noch nicht. Denn die meisten Speisen backen noch im großen, altertümlichen Holzbackofen vor sich hin. Andere Leckereien
werden eben erst im Kochtopf zubereitet. Mitglieder des Arbeitskreises Kunst und Kultur treffen sich an diesem Abend, an dem es
noch kein Kontaktverbot wegen des Coronavirus gibt, zum gemeinsamen Kochen, Essen und Hoierles halten.
Bereits am Abend zuvor haben die Brotbäcker den Sauerteig angesetzt und in einer über 100 Jahre alten, großen Knetmaschine
durchgearbeitet – mit ganz wenig Hefe und ganz viel Zeit zum Gehen. Dann sei das Brot nachher viel bekömmlicher, weiß Erwin
Goldmann, der sich mit Andreas Hauser, Helmut Pinkow und Sigfried Huber um den Ofen kümmert.
Am Morgen wird der steinerne Ofen angeheizt. Zwei Schubkarren voll Holz schleppen die Bäcker dafür an. Das Holz kommt in die Luke
und wird entzündet. Erst Stunden später, wenn der Ofen die richtige Temperatur hat – etwa 190 Grad – kommen die von
Hand geformten Laibe hinein. Knapp 40 Stück sind es an diesem Backtag. Die ersten Laibe überleben den Abend nicht.
Denn am herkömmlichen Küchenherd, den die Mitglieder des Arbeitskreises in die Museumsscheune eingebaut haben, stehen Sonja Mayer,
Sybille Gößele und Valerie Goldmann und zaubern zwei Suppen. Als sie die Topfdeckel anheben, duftet es herrlich:
Petersilienwurzelsuppe (siehe Rezept) und Kartoffelsuppe stehen als Vorspeise auf der Karte. Diese füllen sie mit Trichtern in
hübsche Gläser ab, dazu gibt’s das frische Brot.
Jetzt wird’s kurz hektisch in der kleinen Küchenzeile, denn Sandra Kühnhöfer hat Schupfnudelteig selbst gemacht – nach
Omas Rezept und ohne konkrete Mengenangaben. Der Teig sieht geschmeidig aus, füllt aber eine gewaltige Schüssel. „Fünf Kilo
Kartoffeln sind drin“, sagt Sandra Kühnhöfer und rollt mit ihren Helferinnen eine Schupfnudel um die andere. Am Ende
werden’s zwei große Platten voller köstlicher handgemachter Schupfnudeln.
Ein Kartoffelgratin hat indes den Weg in den Holzbackofen gefunden. In einer zweiten großen Auflaufform schmort eine saftige
Rehkeule, in einer weiteren Hähnchenschlegel – Gerichte, die weniger Hitze als das Brot brauchen und daher später in den Ofen
kommen.
Die gesellige Runde hat Platz genommen. Alle genießen die Vorspeise und den Hauptgang. Es gibt dazu Salate, guten Wein und nette
Gespräche über die Veranstaltungen des vergangenen Jahres und über Zukunftsprojekte.
Wir wollen mehr kulturelles Leben in die Gemeinde bringen.
Sandra Kühnhöfer, Arbeitskreis Kunst und Kultur
„Es ist fantastisch, was ihr hier alles zaubert“, lobt Andreas Hauser das Engagement der Köchinnen und Bäcker. Er
ist im Arbeitskreis unter anderem für „Musik und Remmidemmi“ zuständig. Was alle Mitglieder des Arbeitskreises Kunst
und Kultur in Bartholomä eint: Sie wollen mehr kulturelles Leben in die Gemeinde bringen. Und sie wollen die Museumsscheune und den
Platz drumherum mit Leben füllen.
Da gibt’s ein Open-Air-Kino im Sommer, um das sich Michael Ritz und Susanne Kyrisch kümmern. Französische Filme, aber auch
ein bayerischer Eberhofer-Krimi liefen schon. Dazu gibt’s passende Speisen. Da gibt’s Ofen-Aufheizpartys mit Livemusik
und Zeit für Gespräche (Hoierles), solange der Ofen aufheizt. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder erstmals einen Kunst- und
Gartentag veranstaltet. Bartholomäer öffneten ihre Gärten, darin gab’s Werke verschiedener Künstler – ein voller Erfolg
unter dem Motto „Wertvoll und unnötig“. In den teilnehmenden Gärten seien den ganzen Tag über Besucher unterwegs
gewesen, erzählen die Mitglieder stolz.
Und dann gibt’s da noch eine Gruppe rüstiger Rentner, die sich um den Erhalt der Museumsscheune und deren Innenleben bemühen.
Historische Kutschen und Wagen, Werkzeug, Kornsäcke und vieles mehr finden sich auf dem Gelände. Ein Mal pro Jahr gibt’s
einen Tag der offenen Tür, an dem jede Menge los ist in der Museumsscheune.
Jede Menge los ist auch schon wieder in der Küche rund um den alten Holzbackofen. Fleißige Helfer kümmern sich ums Tellerabräumen,
solange die Köchinnen des Abends schon den nächsten Gang in den Holzbackofen schieben: Birnen-Marzipan-Tarte. Dazu gibt’s
Vanilleeis. Leckerer könnte ein Abend nicht enden.
Diese Reportage ist vor der Corona-Pandemie entstanden. Das gemeinsame Kochen verlief somit völlig legal.
© Schwäbische Post 26.03.2020 17:48










