Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Bartholomäer,
Advent, Advent - wie keiner ihn kennt …
Wenn der Advent die Zeit der „Ankunft“ ist, so sind wir tatsächlich in einer echt anderen, ungewohnten Zeit angekommen.
Ein Advent, wie ihn niemand kennt. Diese Vorweihnachtszeit ist anders: keine „Adventseinstimmung“ mit dem sonst so
schönen, besser: schönsten Markt im ganzen Kreis auf unserem Kulturhof. Kein stimmungsvolles Ambiente, nicht diese besondere
Nostalgie inmitten der historischen Museumsgebäude, kein hochwertiges Kunsthandwerk mit weihnachtlicher Dekoration, nicht diese
staunenden, großen Kinderaugen und keine rotleuchtenden Wangen der Glühwein genießenden Erwachsenen. Keine musikalische
Unterhaltung mit Posaunenklang und Alphörnen; auch sonst keine Unterhaltung, nicht mal die begeisternden Kinderstimmen unseres
Schulchors. Kein herniederschwebender Engel und kein aufsteigender Duft gegrillter Rote…
Und so geht es derzeit in vielen Lebensbereichen. Mit dem seit 1. Dezember noch strikteren Einschränkungen, sind unsere
persönlichen Kontakte noch weiter zusammengeschrumpft. Treffen sind bloß noch mit max. fünf Personen aus max. zwei Haushalte
möglich. Gastronomie und Beherbergung tragen an der momentanen Situation schwer. Vereine und Abteilungen können sich nicht mehr
zum gepflegten Sport, ihrem geliebten Gesang oder ihrer Musik treffen. Geschweige denn zum geselligen Miteinander Gleichgesinnter.
Unser gesellschaftliches und kulturelles Leben liegt ziemlich danieder.
Möglicherweise bedeutet dieser Advent eine besondere „Ankunft“ und eine außergewöhnliche Zeit der Vorbereitung. Ich
erinnere mich an ein Gespräch mit einem älteren Bürger in der vergangenen Woche, der meinte, ja, die beginnende Winterzeit war
früher halt die Zeit in der man sich zurückgezogen hat. „En d´Stub“ – oder an „d´r Stammdisch“.
Früher hatte man Zeit, musste man schlicht diese kalte Zeit abwarten, mit Tätigkeiten füllen, für die sonst während des Jahres
wenig bis keine Zeit war. Und dies sicherlich bei uns in Bartholomä im Besonderen, waren doch die Winter immer etwas länger und
„en Kittel kälder“ als anderswo.
Möglicherweise liegt es in unserer Bartholomäer DNA, eine solche Zeit gut ertragen zu können. Es ist eine besondere Zeit, die wir
in besonderer Weise nutzen können: ein gutes Buch – oder auch zwei, ein Gespräch in der Familie, ein Besuch des
Gottesdienstes, wie z.B. der „Spätschicht“, ein Telefonat mit einem Freund, ein Spaziergang womöglich im Schnee.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, es geht nicht nur darum, diese Zeit auszuhalten, sondern auch sich selbst. Ich glaube, dazu bietet
dieser besondere Advent viele Möglichkeiten, die zu erkennen uns auch eine Chance eröffnet, diese besondere Zeit sinnvoll zu
nutzen.
Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit, verbunden mit dem Wunsch, dass Sie gesund bleiben oder falls gerade nicht, dass
Sie bald und rasch wieder gesund werden.
Es grüßt Sie herzlich,
Ihr
Thomas Kuhn
Bürgermeister