Liebe Bartholomäerinnen und Bartholomäer,
was bedeutet Ostern für Sie?
Da mag jede und jeder von uns eine andere Antwort haben: „an Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod“ oder
„Ostern – ist für mich immer mit Frühling verbunden, das Aufwachen in der Natur“, oder „Ostern ist schlicht
Urlaub, Freizeit“, „Ostern, ist ein Zeichen der Hoffnung“ oder „ein Symbol für das Leben“. So oder so
ähnlich lauten Antworten und bei allem spüren wir, es geht um etwas sehr Wichtiges. Es geht um das Leben, es geht um die Freude, um
das Glück, zu leben. Bei Ostern geht es auch um eine Portion Trost für die, die um das Leben trauern und einer Zuversicht, dass mit
dem Tod nicht alles zu Ende ist.
Johann Wolfgang von Goethe hat da ein nettes Ostergedicht geschrieben „Ein großer Teich war zugefroren“. Ein
Frühlingsgedicht: Während die Frösche in der tiefen, dunklen Kälte ausharren, halb im Traum, versprechen sie sich, dass sie wie
Nachtigallen singen, wenn sie nur wieder herauskommen. Als das Eis schließlich mit dem Winter vergeht, kommen sie wieder ans Ufer,
wo sie es sich bequem machen und genauso quaken, wie vor ihrer Teich-Gefangenschaft.
Auch wenn ein solcher Vergleich hergeholt scheint: Sitzen wir nicht auch derzeit noch im Dunkeln, in der Kälte, gefangen von einem
Virus, das uns sämtliche Freiheiten nimmt. Auch diese, unsere aktuelle Coronakrise werden wir meistern und irgendwann so leben wie
„vor alter Zeit“. Irgendwann hoffentlich. Doch, ganz bestimmt.
Momentan sehe ich, dass die Anzahl der an Corona Infizierten ansteigt, während die Stimmung in unserem Lande offensichtlich sinkt.
Unsere Gesellschaft wird auf eine harte Bewährungsprobe gestellt: wir schwanken zwischen Akzeptanz und Ablehnung, Geduld und
Gewalt, Verständnis und Verzweiflung, zwischen Zustimmung und Zorn. Dass mancher zweifelt, gar verzweifelt, das kann ich gut
verstehen. Dass mancher sagt, dass wir im ganzen zurückliegenden Jahr doch schon so viele Einschränkungen hingenommen, Verzicht
geübt, unser Leben, unsere Kontakte, unser Freizeitverhalten begrenzt haben. Ja, richtig. Viele Einrichtungen sind geschlossen und
manchen bringt dies schlicht an den Rand seiner Existenz. Auch das stimmt, leider. Es stimmt aber auch, dass ich mir nicht ausmalen
möchte, welche jetzige Situation wir hätten, würden wir diesen umfassenden Verzicht nicht üben.
Gerade an Ostern über das Leben nachzudenken, lohnt. Was haben wir bisher für den Schutz des Lebens und der Gesundheit erreicht?
Was haben wir nicht erreicht? Hat unsere hohe Politik in Bund und Land immer richtig gehandelt, immer richtig zwischen Freiheit
einerseits und Lebens- und Gesundheitsschutz andererseits gut abgewogen? Sicherlich nicht immer. Bei aller Kritik, die
ausgesprochen werden muss: bewährt haben sich die viel beschworenen und tauglichen Maßnahmen mit Maske, Abstand und Hygiene.
Dringend hinzukommen müssen nun sehr schnell und umfassend das Testen und vor allem ein deutliches höheres Tempo beim Impfen,
kombiniert mit einer besseren Lösung einer digitalen und effizienten Nachverfolgung der Ansteckungsketten.
Zu Ostern, dem Fest des Lebens, stimmen mich die Verluste, die dieses Virus und die Reaktion darauf verursacht haben nachdenklich,
auch ärgerlich. Dieses verflixte Virus ist echt zäh.
Gleichzeitig bin ich dankbar. Ich danke Ihnen und allen, die Sie durch Ihr Verhalten zur Begrenzung und der Eindämmung des Virus
beigetragen haben Leben und Gesundheit für sich und andere zu erhalten und ich danke allen, die sich versorgend, hilfsbereit,
pflegerisch, ärztlich, regelnd und organisatorisch um das Leben anderer kümmern, vor allem derjenigen, die erkrankt sind und die
die Gesundheit am bittersten nötig haben.
Ich wünsche Ihnen hoffnungsfrohe Ostertage, verbunden mit meinem Wunsch für Sie, den Glauben und die Zuversicht zu behalten, dass
wir irgendwann und hoffentlich bald am sicheren und „rettenden“ Ufer sitzen, dann hoffentlich wieder befreit und
fröhlich.
Bleiben Sie zuversichtlich, bleiben Sie – oder, wer nicht – werden Sie gesund – und frohe Ostern,
Ihr
Thomas Kuhn
Bürgermeister