Klimawandel und Anpassungsstrategien für den Eigenheimbesitzer
08.04.2022
Der Nutzen von Gebäudebegrünung,
Entsiegelung und Regenwassermanagement
Hintergrund
Klimawandel gab es zwar schon immer, aber nie ist er so schnell vorangeschritten wie aktuell. Die anthropogenen Emissionen wie
Feinstaub, CO2 und fluorierte Treibhausgase aus Verkehr, Wärme- und Stromerzeugung oder auch Methan aus der (Massen-)Tierhaltung
beschleunigen die Erderwärmung deutlich.
Was bedeutet das für unsere Region?
Im Rahmen des Projektes LoKlim („Lokale Kompetenzentwicklung zur Klimawandelanpassung in kleinen und mittleren Kommunen und
Landkreisen“) wurden die landesweiten Klimadaten erstmals für die lokale Ebene berechnet und für jede der über 1.000 Kommunen
ein individueller Klimasteckbrief erstellt. Über eine Karte kann auch der Klimasteckbrief für Ihre Gemeinde abgerufen werden
lokale-klimaanpassung.de/lokales-klimaportal/.
Die in der Karte dargestellten Daten basieren auf Berechnungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) aus dem Jahr
2020. Die Klimaprojektionen für die nahe und ferne Zukunft sind auf Grundlage des „weiter wie bisher“-Szenarios
berechnet.
Klimasteckbrief Bartholomä
Quelle: Lokales Klimaportal des Projektes „LoKlim“
Anhand des Klimasteckbriefs für Bartholomä wird deutlich, dass zum Beispiel Starkregenereignisse und Trockenperioden zunehmen,
während Frosttage abnehmen. Betrachtet man die Hitzetage (über 30°C), ist gemäß den Prognosen davon auszugehen, dass wir in Zukunft
wahrscheinlich über 20 solcher Tage pro Jahr zu verzeichnen haben. Starkniederschläge werden sich aller Voraussicht nach an
durchschnittlich 10 Tagen im Jahr ereignen. All diese Entwicklungen haben Folgen für unsere Landwirtschaft, die Wälder, die
Artenvielfalt, die wirtschaftliche Entwicklung und für unsere Lebensweise sowie die Gesundheit und Lebensqualität (vgl. HOFMANN
2022). Deshalb sollten wir (neben Klimaschutzmaßnahmen) schon jetzt mit cleveren Klimaanpassungsstrategien beginnen.
Welchen Beitrag können Gebäudebegrünung, Entsiegelung und Regenwassermanagement leisten?
Begrünungs- und Entsiegelungsstrategien gehören zu den Klimaanpassungsstrategien und lassen sich hervorragend auch im bzw. am
Eigenheim umsetzen. An dieser Stelle stellen wir Ihnen den Nutzen von Begrünungsmaßnahmen am Gebäude sowie von Entsiegelung und
Regenwassermanagement vor.
Begrünte Fassaden und Dächer schützen effektiv vor Schäden durch Wärme, Kälte, Sonnenstrahlen und anderen (extremen)
Witterungseinflüssen. Die Lebensdauer eines Dachs kann auf diese Weise um rund zehn Jahre verlängert werden (WOHNGLÜCK 2022).
Sowohl Fassaden- als auch Dachbegrünung haben zudem eine gute Dämmwirkung und können so signifikant Kosten und Energie für Heizung
und Klimaanlage einsparen. An Hitzetagen bleibt es in den Innenräumen deutlich kühler, was sich wiederum positiv auf das
Wohlbefinden und die Gesundheit auswirkt.
Dach- und Fassadenbegrünung ist gemein, dass sie bei richtiger Pflanzenauswahl auch die Artenvielfalt fördern können. Die
Bepflanzung kann Schutz und Nahrung für viele Tierarten bieten.
Grundsätzlich lässt sich Gebäudebegrünung auch mit PV-Modulen kombinieren. Zum Einlesen in die Thematik
„Gebäudebegrünung“ empfehlen wir Ihnen das Dokument
„Gebäudebegrünung und Klimawandel“
(CLIMATE SERVICE CENTER GERMANY 2022).
Möchte man noch weitere Klimaanpassungsmaßnahmen rund ums Eigenheim ergreifen, sind zusätzliche Entsiegelungen auf dem Grundstück
empfehlenswert. Gerade bei Starkregenereignissen besteht die Gefahr von Überflutungen. Wird Wasser von Vegetation bzw. vom Boden
aufgenommen, werden die Kanalisation und die Fließgewässer entlastet. Schon Pflastersteine mit ihren Fugen sind besser als
asphaltierte Flächen. Bei Flächen und Wegen, die befahren werden sollen, sind sogenannte Rasengittersteine eine gute Option. Diese
lassen das Wasser großzügig abfließen. Die großen Fugen lassen sich zusätzlich mit speziellen Blühmischungen bepflanzen und werden
damit zum Futterplatz für Insekten.
Last but not least gehört das angepasste Regenwassermanagement zu den effektiven Klimaanpassungsmaßnahmen. Für den
Eigenheimbesitzer sind in diesem Zusammenhang insbesondere Regenwasser-Zisternen relevant. Das gesammelte Regenwasser kann für die
Bewässerung im Garten verwendet werden, was vor allem in Trockenperioden auch Wasserkosten einspart. Desweitern kann das
Regenwasser auch für die WC-Spülung oder die Waschmaschine genutzt werden. Die beiden Reinigungsstufen „Zurückhaltung der
groben Schwebstoffe durch einen Filter“ und das „Absetzen feiner Schwebstoffe durch Ruhe“ reichen dabei völlig
aus. Der Biofilm, der natürlicherweise auf der Innenwand der Zisterne entsteht, erhöht zusätzlich die Selbstreinigungskraft des
Systems (ÖKOLOGISCH BAUEN 2022). Bei der Installation sollte möglichst angestrebt werden, den Überlauf mit einer
Versickerungsanlage zu verbinden und nicht mit der Kanalisation, um Abwasserkanäle bei Starkregenereignissen nicht noch mehr zu
belasten.
Fördermöglichkeiten
Eine bundeseinheitliche Förderung für die genannten Maßnahmen gibt es aktuell nicht. Im Rahmen der Bauantragstellung kann es sich
aber lohnen, bei der zuständigen Baubehörde nachzufragen.
Hinsichtlich einer Dachbegrünung kann man sich auch um eine KfW-Förderung bemühen. Im Rahmen des KfW-Programms "Energieeffizient
Sanieren" kann Dachbegrünung zum Beispiel als Maßnahme zur "Wärmedämmung von Dachflächen" gefördert werden. Wichtig dabei ist, dass
der Antrag vor Beginn der Arbeiten gestellt wird (WOHNGLÜCK 2022).
Wo kann ich mich über individuelle Sanierungsmaßnahmen informieren?
Sie können direkt mit dem Sanierungsmanager, Herrn André Ludwig von der Tilia GmbH, in Kontakt treten und Ihre Fragen stellen.
Schreiben Sie einfach eine Mail an
Herrn André Ludwig.
Für eine individuelle kostenfreie Beratung kontaktieren Sie gerne die Energie- und Klimaschutzberatung des Ostalbkreises
(
www.energiekompetenzostalb.de).
Wir freuen uns jederzeit über ihre Anregungen und den aktiven Dialog mit Ihnen.
Ihr Sanierungsmanager