Aus Bartholomä

Volkstrauertag 2025
21.11.2025
Am vergangenen Sonntag, dem Volkstrauertag, wurde dem Thema „Frieden“ gedacht: sowohl bei der Gedenkfeier am Mahnmal auf dem Wirtsberg, die vor allem der Bartholomäer Toten und Vermissten der Kriege gedachte und bei dem anschließenden Friedensweg.
Mit dem Musikstück „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ eröffnete der Musikverein Bartholomä die Gedenkfeier auf dem Wirtsberg. Dort erinnerte der Ortsbeauftragte des Volkbundes Kriegsgräberfürsorge, Oliver Ziegler, dass vor 80 Jahren der 2. Weltkrieg endete mit folgenden Worten:
„Am 8. Mai dieses Jahres durften wir dankbar den 80.Jahrestag des Kriegsendes des 2. Weltkriegs begehen.
Nun stehen wir heute hier auf dem Wirtsberg, um den Gefallenen und Vermissten dieses Krieges, aber auch des ersten Weltkrieges sowie aller kriegerischen Handlungen davor und danach, zu gedenken.
War die Parole vor 80 Jahren noch: „Nie wieder Krieg“, so stehen wir jetzt aktuell näher an unsicheren Zeiten als an Frieden, oder, wie es ein deutscher Politiker unlängst ausgesprochen hat, "Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden".
Wenn man die letzten Jahre hier auf dem Wirtsberg die Anzahl der Besucher dieser Gedenkfeier betrachtet, muss man feststellen, dass nur noch Personen auf dem Wirtsberg sind, die in irgendeiner Weise „müssen“?! Keine Handvoll Menschen sind mehr da, die freiwillig den Weg herauf gegangen sind. Die Kriegsgenerationen und somit Augenzeugen des letzten Krieges, sterben allmählich weg und können uns nicht mehr warnen und uns von diesen schrecklichen Zeiten berichten.
Keiner interessiert sich mehr für die Vergangenheit, und alle nehmen den Frieden als eine Selbstverständlichkeit hin. Sagte doch George Santayana einst, „Wen die Vergangenheit nicht interessiert, hat keine Chance für die Zukunft, weil die gleichen Fehler noch einmal gemacht werden.“
Da wundern wir uns, dass uns neues Unheil von politischen Parteien droht?
Viele Menschen haben, während der Kriege Hab und Gut, Haus und Heimat verloren. Viele mussten die Ideologien dieser Kriege mit dem Leben bezahlen. Sie fielen auf den Schlachtfeldern, wurden anderweitig umgebracht oder verloren bei Flucht oder Vertreibung ihr Leben. Von vielen weiß man bis heute nicht, ob, wie oder wo sie bestattet wurden.
Zu letzterem möchte ich kurz ein paar private Worte sagen. Im Juli dieses Jahres habe ich vom Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge einen Brief erhalten in dem berichtet wurde, dass die sterblichen Überreste meines Großonkels gefunden und auf der deutschen Kriegsgräberstätte Duchowschtschina (bei Smolensk) beigesetzt wurde.
Dieser Brief und das damit zusammenhängende Schicksal zeigt uns, dass auch 80 Jahre nach Kriegsende der Volksbund, für den ich heute hier sprechen darf, an der Aufarbeitung der Geschichte und dem Verbleib von Gefallenen einen unbezahlbaren und unverzichtbaren Beitrag leistet.
Die Namen, die hier an unserem Kriegerdenkmal auf Eisenplatten gegossen sind, sollen uns mahnen und uns zurufen: „Krieg ist kein Mittel zur Lösung von Konflikten!“
Nehmen wir die Worte unseres ehem. Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu Herzen, die er am 8. Mai 1985 vor dem deutschen Bundestag gesprochen hat:
„Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah.
Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“
So liegt es also an uns, die wir heute hier auf dem Wirtsberg sind, mitzuwirken, dass keine kriegerischen Handlungen und Streitigkeiten den Frieden in unserem Dorf, in unserem Land, ja, auf der ganzen Welt bedroht.
Darum müssen die Namen, die hier und an anderen Orten an Kriegerdenkmälern stehen ein Aufruf an uns alle sein, nach Wegen des Friedens zu suchen. Diese Namen dürfen niemals vergessen werden und müssen uns interessieren, denn, wen die Vergangenheit nicht interessiert, hat keine Chance für die Zukunft“

Jan Ruben Haller, gleichfalls einer der beiden Ortsbeauftragten, sprach sodann das Totengedenken. Gegen das Vergessen, zur Erinnerung und zur Mahnung, jedoch auch als Zeichen der Hoffnung, legte sodann Bürgermeister Thomas Kuhn mit dem Gemeinderat an den Gedenktafeln auf dem Wirtsberg einen Kranz nieder. Die Abordnungen der Vereine senkten zu dem Musikstück „Ich hatt' einen Kameraden“ zur Würdigung die Fahnen.
Im Mittelpunkt des sich anschließenden Friedenweges stand ganz zentral der Friedensgedanke, zu dem der ökumenische Liturgiekreis die Besucherinnen und Besucher begrüßte. Anhand ansprechender Texte und Lieder gab es intensive Gedankenanstöße zum Thema von den Mitarbeitenden des Liturgieteams der beiden Kirchengemeinden, Maria Bernert, Armin Duschek, Kathrin und Laszlo Hofmann, Sandra Kühnhöfer, Caroline Kuhn und Helene Sattler. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch den Chor „One Voice“ unter Leitung von Caroline Kuhn.
Ein herzliches Dankeschön für die Organisation und Gestaltung der Friedensfeiern gilt allen Besucherinnen und Besuchern sowohl des Wirtsbergs und den Teilnehmenden des Friedensweges, an den Musikverein Bartholomä und dem Chor „OneVoice“ für die musikalischen Begleitungen, den Ortsbeauftragten des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge, den Mitgliedern des ökumenischen Liturgieteams, den Fahnenabordnungen der Vereine und der Freiwilligen Feuerwehr für ihren Ordnungsdienst.
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