Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Bartholomäer,
sie wirkt schon etwas skurril, die aktuelle Situation: Noch im Frühjahr, als die Tage immer länger, heller und wärmer wurden, sind
wir Schritt um Schritt aus dieser Coronakrise herausgegangen. Jetzt, spätestens seit Anfang September und mit ständig kürzeren
Tagen, sind wir leider schnell in den Krisenmodus zurückgefallen. Die jetzt schon hohe Auslastung der medizinischen Kapazitäten und
der Umstand, dass sich drei von fünf Coronainfektionen gar nicht mehr durch unsere Gesundheitsämter haben nachverfolgen lassen,
haben Bundes- und Landesregierung veranlasst, das öffentliche Leben wieder stark einzuschränken.
Bemerkenswert finde ich, dass sämtliche Maßnahmen auf einem einstimmigen Beschluss der Regierungschefinnen und -chefs der Länder
mit der Bundeskanzlerin basieren. So eine Einmütigkeit gab es in Fragen von Corona selten. Ein so großes Werk braucht wohl diese
Einigkeit. Dies mag nicht nur ein Beleg dafür sein, wie ernst die Politik die Lage nimmt, womöglich auch, wie ernst es tatsächlich
ist.
Wer sich die einzelnen Einschränkungen ansieht und vergleicht, mag den Eindruck gewinnen, dass das Maßnahmenpaket nicht „ganz
rund“ ist, dass darin eine gewisse Unwucht liegt. Sicherlich stört es derzeit niemand groß, wenn der Betrieb von Badeseen
verboten ist. Geschenkt. Dass der Probebetrieb von Chören nicht erlaubt, Übungsbetrieb und Training der Sportvereine untersagt ist,
die Gastronomie schließen muss und Künstler keine Möglichkeit zum Auftritt haben, wiegt da schon schwer. Dies alles inhaltlich
nachzuvollziehen und zu verstehen ist nicht einfach. Ich verstehe gut, dass sich diejenigen Vertreter kritisch zu Wort melden, die
mit ihrem Stand betroffen sind.
Genau da ist der Blick auf die von den Regierungen vereinbarten Zielen hilfreich: drei von vier sonst übliche Kontakte jetzt zu
vermeiden, auch und gerade im privaten Umfeld und durch eine Schließung von Einrichtungen für Publikumsverkehr und
Begegnungsstätten im gesellschaftlichen Leben verantwortlich zu handeln.
Geht es Ihnen auch so? Ich ertappe mich ab und an, die hohe Politik und ihre Entscheidungen verantwortlich zu machen, zu
hinterfragen. Wenn es Ihnen auch so geht, so empfehle ich den Blick in die Begründung der
aktuellen
Verordnung. Dabei wird mir dann klar: Nicht unsere Regierungen sind verantwortlich, es ist vielmehr das Virus selbst, das
uns in diese Lage bringt.
Groß Werk braucht Einigkeit. In diesem Sinne lade ich Sie alle ein, die verordneten Maßnahmen zu beachten, auch wenn's schwer fällt,
uns echt belastet. Wenn wir uns gemeinsam dahinterstellen, dann können wir gemeinsam aus dieser schwierigen Lage auch wieder gut
herauskommen: gemeinsam, solidarisch, vertrauensvoll und optimistisch. Und dann werden auch bald schon die Tage wieder länger und
heller.
In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich – bleiben Sie gesund.
Ihr
Thomas Kuhn
Bürgermeister